Nutzerstudie zum Pre-Testen der Evaluationsmethoden für den SmartMMI-Feldtest

SmartMMI umfasst die Entwicklung eines funktionierenden Prototyps eines halbtransparenten, interaktiven Displays für Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs. In dieser Nutzerstudie konnten wir mehrere Designprototypen in unserem Mockup-Straßenbahnabteil testen und wertvolle Erkenntnisse über die Nutzbarkeit verschiedener Aspekte unserer Prototypen gewinnen.

Zusätzlich ist gegen Ende unseres Projekts ein Feldtest geplant. Zwei prototypische halbtransparente Displays werden in einer Straßenbahn des Nahverkehrsanbieters implementiert. Gegenwärtig planen wir die Usability-Evaluierung unseres Systems im Feld und haben zu diesem Zweck eine Studie durchgeführt, um verschiedene Evaluierungsmethoden in der Straßenbahnabteil Mockup zu testen. Wir wollten die am besten geeigneten Evaluierungsmethoden für nachfolgende Studien in realen ÖPNV-Umgebungen ermitteln. Auf Grundlage der Ergebnisse dieser Studien entwickeln wir unser Evaluierungskonzept für den bevorstehenden Feldtest.

Für diese Studie benutzten wir die Mockup-Konfiguration, die der Konfiguration einer lokalen Straßenbahn sehr ähnlich ist. Wir ordneten die Sitze als vierer an, zwei in Fahrtrichtung und zwei entgegengesetzt zur Fahrtrichtung, was der Sitzanordnung in dem Fahrzeug entspricht, das in unserem Feldtest verwendet wird. Die halbtransparenten Displays werden neben einer solchen Sitzkonfiguration installiert, und zwar in denselben Abmessungen, wie unsere interaktiven Displays im Tram-Mockup installiert sind. Wie in der rechten Abbildung zu sehen ist, werden Informationen für alle Fahrgäste im oberen Bereich, auf dem kleinen Bildschirm, angezeigt. Auf diesem Bildschirm werden Liniennummer, Fahrtziel, bevorstehende Haltestellen, Umsteigemöglichkeiten, die Ankunftszeit an den folgenden Haltestellen, die aktuelle Zeit und das Wetter, einschließlich einer Vorhersage, angezeigt. Die beiden unteren Bildschirme, die im Feldversuch halbtransparent sein werden, sind Multi-Touch-fähig und können aufgrund der Sitzkonfiguration von mehreren Personen bedient werden.

Eine Netzwerkkarte und eine geographische Karte sind über den Menüpunkt am unteren Rand der Anzeige zugänglich. Die geographische Karte wird automatisch auf den Standort der Straßenbahn zentriert, in der der Benutzer gerade sitzt. Die Karten können interaktiv erkundet werden und zeigen Sehenswürdigkeiten, andere Stationen und zusätzliche Detailinformationen an. Auf der gegenüberliegenden Seite der Straßenbahnabteilung simuliert ein 55-Zoll-Bildschirm das gegenüberliegende Fenster des Fahrzeugs, wie in der linken Abbildung gezeigt. Während der Untersuchung wird auf diesem Display ein Video gezeigt, das entlang der gesamten Strecke der simulierten Straßenbahnlinie aufgenommen wurde. Das Geräusch der sich öffnenden und schließenden Türen sowie die Informationen, die die nächsten Haltestellen anzeigen, sind mit dem Video synchronisiert, um konsistente Informationen zu erhalten.

Vor der eigentlichen Studie wurden die Studienteilnehmer gebeten, eine Online-Umfrage auszufüllen, um ihre technologische Affinität und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu ermitteln. Auf der Grundlage der Umfrageergebnisse wurden die Teilnehmer in drei typische ÖPNV-Nutzungsgruppen (Pendler, Gelegenheitsnutzer und Touristen) auf der Grundlage der ÖPNV-Personen gruppiert. Für jede Gruppe wurden drei spezifische Szenarien entworfen. Während die als Pendler eingestuften Teilnehmer gebeten wurden, Aufgaben zu erledigen, die sich in einem simulierten Verspätungsszenario befanden, wurden die als Touristen eingestuften Teilnehmer mit Aufgaben konfrontiert, die mit mehr touristischen Zielen und zeitlich irrelevanten Aufgaben verbunden waren.

Eine Kombination von gedrückten Tasten wurde als Auslöser für spezifische Informationsanzeigen auf jedem Display verwendet. Dieser auslösende Ansatz erlaubte es uns, verschiedene Meldungen unabhängig voneinander und unabhängig von der Zeit anzuzeigen. Die Teilnehmer in verschiedenen Altersgruppen zwischen unter 18 und über 60 Jahren benötigten etwas mehr Zeit, um sich mit dem Szenario und dem interaktiven Fenster vertraut zu machen, weshalb der Zeitpunkt der Anzeige zusätzlicher Informationen nicht für alle Teilnehmer synchronisiert wurde. Auch wenn dies zu einigen Diskrepanzen zwischen dem Inhalt der Benachrichtigung und dem Timing des im Hintergrund laufenden Videos führen konnte, wurde der potenzielle Synchronisierungsfehler als vernachlässigbar eingestuft. Dieser Ansatz, Ereignisse während einer Studie von Hand auszulösen, scheint auch für Feldstudien besser geeignet zu sein, da die Anzahl der Zeit beeinflussenden Variablen nur dann zunimmt, wenn die simulierte Umgebung gegen ein tatsächlich fahrendes Fahrzeug getauscht wird.

Der erste Schritt der Interaktion mit dem interaktiven Fenster, d.h. das bloße Aufspüren einer möglichen Interaktion, tauchte während der gesamten Studie als ein potentielles Usability-Problem auf. Obwohl die Teilnehmer ungefähr wussten, worum es in der Studie ging, behaupteten einige, dass eine Art Aufruf zur Aufmerksamkeit hilfreich sein könnte, um die Möglichkeit der Interaktion mit dem Fenster zu vermitteln. Aufgrund der Art der simulierten Straßenbahn und des Gesamtkonzepts der Studien, die den Teilnehmern vorher zumindest bis zu einem gewissen Grad erklärt werden müssen, ist es schwierig, die Anerkennung der Bedienbarkeit und die Motivation zum Ausprobieren zu messen. Dies sollte leichter durch Feldstudien weiter untersucht werden können, in denen gelegentliche Fahrgäste der Straßenbahn beobachtet werden, die neben dem interaktiven Fenster sitzen und es ohne Kenntnis der laufenden Studie benutzen können oder auch nicht, weshalb wir unter anderem auch allgemeine Beobachtungen in unserem Feldversuch planen.

Die Ergebnisse dieser Studie flossen in unser Feldversuchskonzept ein, zeigten aber auch die Grenzen und Möglichkeiten unseres Straßenbahnmodells auf. Wir planen weitere Usability-Studien zu öffentlichen Verkehrssystemen in unserem Mockup und planen auch die Weiterentwicklung möglicher Anwendungen des Mockups.

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